WÄHRUNGSMANAGEMENT IM MITTELSTÄNDISCHEN UNTERNEHMEN

EVI POPP UND PETER HOLZRICHTER

Leseprobe aus “Erfolgreich im Ausland – Ein Leitfaden für den Mittelstand.”

 

Währungskurse: Die Abhängigkeit bleibt

Sobald ein Unternehmen eine Vertragsbeziehung mit einem Partner in einem Land eingeht, in welchem eine andere Währung als der Euro als Zahlungsmittel gilt, werden Sie als Unternehmer unumgänglich mit der Problematik des Währungsmanagements konfrontiert – unabhängig in welcher Währung fakturiert wird. Denn es entsteht auf jeden Fall ein Abhängigkeit von der Währungskursentwicklung, die bei
einem Teilnehmer in der Kette schlagend wird: Beim Exporteur, beim Importeur oder auch nachgelagert bei Kunden bzw. Lieferanten des direkten Vertragspartners.

Die Einführung des Euros als alleiniges Zahlungsmittel des EURO-Währungsraumes führte zwar zur Verringerung der Währungsrisiken insgesamt, konnte aber angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs und der permanenten Expansion länderübergreifender Handelsbeziehungen nicht zur Entschärfung der Problematik beitragen. Gründe hierfür sind die überwiegende Dominanz des US-Dollars als Leitwährung im internationalem Handel und die Volatilität des US-Dollars an sich.

Ob die Entwicklung in der Währung positiv oder negativ zu Buche schlägt, zeigt sich dabei erst, wenn das Geschäft realisiert ist. Folglich
ist es für Sie als Unternehmer wichtig sich mit diesem Thema frühzeitig, idealerweise bereits bei der Angebotskalkulation, auseinander zu setzen – damit aus einem geplanten Gewinn kein Verlustgeschäft wird.

Risiko: Schwankungen können den Gewinn “kosten”

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen neigen in der unternehmerischen Praxis oft entweder zur Vernachlässigung oder zumindest zur einseitigen Risikobetrachtung, wobei speziell das Wechselkursrisiko im Vordergrund steht und Transfer-, Konvertierungs- und Wechselkurseventualrisiken außer Acht gelassen werden.

Die höchste Relevanz in der Praxis haben die Transaktionsrisiken. Wenn Sie als Unternehmen bzw. Ihr Lieferant in einer Fremdwährung
fakturieren, entstehen Forderungen oder Verbindlichkeiten sehr häufig zu einem anderen Zeitpunkt als die dazu korrespondierenden
Zahlungseingänge/-ausgänge.

Je länger der zeitliche Abstand zwischen Vertrag und tatsächlicher Zahlung, desto höher sind die Währungsrisiken.

Je länger der Abstand zwischen Vertragsverhandlung und tatsächlichem Zahlungseingang/-ausgang ist, umso höher sind dementsprechend die Währungsrisiken. Zunehmend relevant wird dies gerade bei Preiskalkulationen, an die man sich vertraglich längerfristig bindet, wie z.B. bei Herausgaben von Katalogen mit Preisbindung.

Neben dem Transaktionsrisiko gibt es auch das Translationsrisiko (Bewertung von Auslandsinvestitionen, wie z.B. Beteiligungen) und das Eventualrisiko (Währungsrisiken/-chancen aus nicht buchhalterisch relevanten Vorgängen, wie z.B. Ausschreibungen).

Die historische Volatilität (Schwankungsbreite) der HaupthandelsWährungspaars EUR/USD ist mit 8,04% höher als die durchschnittliche Umsatzrendite im deutschen Mittelstand mit 7,2%. Dies zeigt, dass der Erfolg oder Misserfolg von in Fremdwährung fakturierten Geschäften wesentlich von einem funktionierenden Währungsmanagement abhängt.

Risikobegrenzung erfordert aktives Währungsmanagement

Für eine effiziente Steuerung ist eine sorgfältige Analyse der Währungsrisiken essentiell.

  • Hierzu sind Szenarioanalysen sehr hilfreich. Welche Auswirkungen hat ein schwankender Währungskurs auf das einzelne Geschäft? Wie hoch ist die Relevanz der Währungsrisiken für den Gesamt-Jahresabschluss? Wie wirken sich Währungskursschwankungen auf meine Kalkulation aus? Dies sind nur einige der wesentlichen Fragen, die beantwortet werden müssen, wenn Transaktionsrisiken im Unternehmen bestehen.
  • Nach Fertigstellung der Situationsanalyse und Erfassung der Währungsrisiken ist eine Währungs-Sicherungsstrategie zu erarbeiten. Durch den Einsatz von OTC-Derivaten können hier individuelle und flexible Sicherungsstrategien, angepasst an die Bedürfnisse des Unternehmens, gestaltet werden. Handelspartner von OTC-Derivaten sind in der Regel Banken – hier kann auch eine umfassende und lösungsorientierte Strategie gemeinsam mit dem Bankpartner erarbeitet werden.
  • Neben der grundsätzlichen Möglichkeit über Devisenkassageschäfte Währungen direkt zu tauschen, sind die am häufigsten eingesetzte Sicherungsmöglichkeit von Währungsrisiken sogenannte Devisentermingeschäfte. Hier wird ein Währungstausch unter Vereinbarung aller Variablen für die Zukunft fixiert, so dass Währungsrisiken ausgeschlossen werden können – quasi eine vertragliche Vereinbarung, um eine Währung gegen eine andere Währung zu einem vorher vereinbarten Termin und Kurs zu tauschen. Neben Devisentermingeschäften gibt es als zweite Hauptgruppe der Währungsinstrumente Devisenoptionen, bei denen ein Worst-Case gegen Zahlung einer einmaligen Optionsprämie abgesichert wird. Der Käufer erwirbt das Recht, jedoch nicht die Pflicht, eine Währung zu einem bestimmten Wechselkurs an einem bestimmten Termin zu kaufen oder zu verkaufen – an positiven Währungsentwicklungen kann das Unternehmen aber jedoch voll partizipieren.
  • Bei Bedarf kommen strukturierte Währungssicherungen zum Einsatz. Hier können spezielle Eigenschaften des Grundgeschäfts und die persönliche Einschätzung der Währungsentwicklung des Unternehmens effizient abgebildet werden. Es existieren eine ganze Reihe von unterschiedlichen Möglichkeiten, die individuell an den Bedürfnissen des Unternehmens ausgestaltet werden können. Beispielhaft kann hier eine Sicherung erfolgen, bei dem eine Devisenoption ohne Prämienzahlung abgeschlossen werden kann. Dafür ist der vereinbarte Sicherungskurs etwas schlechter als bei der vergleichbare Devisenterminkurs und die Partizipation an einer positiven Währungskursentwicklung erfolgt beispielsweise nur zu 50%.

In der Praxis stellt sich häufig heraus, dass das Währungsmanagement „aus dem Bauch“ entschieden wird und die Risiken offen gelassen werden. Diese Strategie kann aufgehen, wenn sich der Währungskurs glücklicherweise in die richtige Richtung bewegt. Allerdings ist dies eher dem Zufall überlassen. Eine negative Währungskursentwicklung kann andererseits sehr teuer für das Unternehmen werden – bis hin zu Liquiditätsschwierigkeiten. Eine Währungsposition sollte deshalb nur dann nicht abgesichert werden, wenn hierfür
bewusst eine Entscheidung getroffen wurde.

Währungsmanagement „aus dem Bauch“ kann aufgehen, wenn sich der Währungskurs glücklicherweise in die richtige Richtung bewegt. Eine negative Entwicklung kann sehr teuer werden.

Bereits bei der Kalkulation des Angebotes bzw. der Kundenpreise ist es deshalb wichtig, die Absicherung der Währungskursentwicklung in die Kalkulation mit einzubeziehen und hier einen Budget-Währungskurs festzulegen. Passend zum BudgetWährungskurs kann dann eine Währungskurssicherung erfolgen. Sollte das Währungskursrisiko (teilweise) bewusst offen gelassen werden, lässt sich anhand des Budget-Kurses die Auswirkung einer Währungskursveränderung controllen. Bilanziell können die Geschäfte zur Währungskursabsicherung und die hierfür bestehenden Grundgeschäfte zu einer Bewertungseinheit zusammengefasst werden. Dies hat den Effekt, dass die aktuelle Bewertung der Sicherungsgeschäfte nicht in die Bilanz/GuV einfließt, sondern nur nachrichtlich unter dem Bilanzstrich dargestellt werden. Ohne Bildung einer Bewertungseinheit greifen bei der Bilanzierung nach HGB das Realisatons- und das Imparitätsprinzip, was zu einer Drohverlust-Rückstellung im Jahresabschluss führen kann. Folglich ist es empfehlenswert nach Möglichkeit immer eine Bewertungseinheit zu bilden.

HAUSAUFGABEN

  • Vergleich der Fakturierung in Euro bzw. in Fremdwährung (evtl. lassen sich durch die Fakturierung in Fremdwährung Konditionsvorteile erzielen).
  • Analyse des Fremdwährungsrisikos anhand Cash-Flow- und Szenario-Analyse
  • Kalkulation eines Budget-Kurses
  • Entwicklung einer Sicherungsstrategie (inkl. einer Guideline für die handelnden Personen, die die Parameter der Sicherungsmöglichkeiten abbildet)
Q

ACHTUNG! KRITISCH

  • Keine Auseinandersetzung der Währungsrisiken in der Hoffnung, dass sich die Auswirkungen der Währungskursentwicklung nicht negativ auswirken („es wird schon gutgehen“).
  • Betrachtung der Währungskursrisiken erst nach Abschluss von Verträgen. Bereits bei der Angebotskalkulation bzw. bei Vertragsverhandlungen ist das Währungskursrisiko mit einzubeziehen.
  • Emotionale Entscheidungen bzgl. der Sicherung von Fall zu Fall. Die Entwicklung einer Sicherungsstrategie ist für ein effektives
    Währungsmanagement wichtig.

Fazit!

Beginnen Sie mit der Strategie. Für eine erfolgreiche Expansion Ihrer Online-Vertriebskanäle brauchen Sie klare Vorgaben. Schaffen Sie die technologischen Grundlagen, arbeiten Sie an der Qualität Ihrer Produktdaten und überprüfen Sie, wie Sie Ihrer IT dabei möglichst nicht zuviel zumuten. Holen Sie sich E-Commerce-Kompetenz ins Unternehmen.
Digitalisierung erfordert Agilität – ein strukturell hohes Maß an Flexibilität bei Projektplanung und Projektdurchführung. Das erfordert eine neue Denkweise im Unternehmen. Seien Sie agil und legen Sie los mit der Bespielung grenzenloser Märkte!

Evi Popp

S – International Baden-Württemberg-Nord, Geschäftsführerin 

evi.popp@sibwn.de | Tel: +49 (0)71419743130 

 

Evi Popp ist Geschäftsführerin der S-International GmbH & Co. KG. Sie war zuvor in mehreren Managementpositionen im Bereich Personal, Vertrieb, Steuerung und Marketing in der S-Finanzgruppe tätig. Frau Popp hat das Projekt zur Gründung der S-International geleitet und damit den Unternehmensaufbau von Anfang an begleitet. Die studierte SPK-Diplom-Betriebswirt ist daneben noch als systemischer Coach tätig und hat bereits mehrere Fachartikel veröffentlicht.

 Peter Holzrichter

S – International Baden-Württemberg-Nord, Leiter Zins und Währungsmanagement 

peter.holzrichter@sibwn.de | Tel: +49 (0)71419743270

 Peter Holzrichter ist Prokurist bei der S-International Baden-Württemberg Nord GmbH & Co.KG und verantwortet hier den Bereich Zins- und Währungsmanagement. Er hat langjährige Berufserfahrung im Zins- und Währungsmanagement und im Corporate Finance bei der Kreissparkasse Heilbronn gesammelt und war aktiv bei der Gründung der S-International beteiligt. Der Vater von vier Kindern ist als Dozent an der Dualen Hochschule und an der Sparkassenakademie tätig.