THOMAS BRUGGER „Liefersicherheit ist für Kunden zur Zeit wichtiger als der Preis“

Soziale und Umweltstandards in der Beschaffung

Die Brugger Magnetsysteme GmbH sind ein Familienunternehmen und einer der größeren Arbeitgeber von Hardt im Schwarzwald. Geschäftsführer Thomas Brugger sieht mit einer gewissen Sorge auf die Lieferketten seines Unternehmens.

 

Mit vorausschauender Lagerhaltung und Engagement für neue Rohstoffquellen begegnet Brugger Magnetsysteme den Herausforderungen bei den Lieferketten.

 

Herr Brugger, sprechen wir zuerst über Lieferketten. Wie stellt sich da im Moment die Situation für Sie dar?

Wir sind Hersteller von Permanent-Magnetsystemen und was wir beziehen sind eben Magnete. Die stellen wir nicht selbst her, sondern beziehen sie, entweder direkt oder mittelbar aus China. Das ist das einzige Herstellungsland in der Branche. Weitere Produkte, die wir brauchen sind zum Beispiel Bandstahl, Drehteile und Kunststoff, um mal die vier großen zu nennen. Die Situation ist tatsächlich angespannt. Seit Herbst 2021 betreffen uns Preissteigerungen und Lieferunterbrechungen. Wenn im Hafen von Shanghai Schiffe nicht be- und entladen werden können, spüren wir dieser Auswirkungen direkt. Auch die Null-Covid-Poltik hat Auswirkungen. Stahl war auch mal angespannter, entspannt sich jetzt etwas. Kunststoff war über die Jahreswende schwierig, entspannt sich jetzt aber wieder aus meiner Sicht.

Können Sie mit schlauer Vorratsbewirtschaftung dagegen halten? Haben Sie schon eigene verlängerte Lieferzeiten?

Wir sind da relativ gut und werden von unseren Kunden gelobt, weil wir eine gute Liefertreue haben. Aktuell ist eine große Lieferung an Magneten angekommen, die wir einfach aus Sicherheitsgründen bevorraten. Noch bis 2021 galt: Haltet eure Lager klein und senkt das Umlaufvermögen. Das funktioniert gerade nicht mehr. Die Liefersicherheit für die Kunden ist aktuell wichtiger als der Preis. Insofern haben wir unsere Bestände, bei denen wir gesehen haben, dass die Lieferketten unsicher sind, aufgebaut.

Bei 100 Prozent Abhängigkeit von China wird Ihnen da nicht schummrig, wenn Sie an die Geopolitik denken?

Doch, mir wird schummrig. Wir haben die Risiken auf dem Schirm. Wir haben geschaut, welche Produkte wir liefern und wir haben versucht 50 Prozent der Lieferungen durch Bestände abzusichern, zumindest erst einmal für ein Jahr. Das heißt, den Umsatz, den wir jetzt generieren, ist mit den Lieferungen abgesichert. Wenn diese ausbleiben, bleibt auch Brugger aus. Wir sind Mitglied der Rare Earth Industry Association. Das war auch mein Ansatz: Wir sehen die seltenen Erden als kritischen Rohstoff an. Wir sind nur ein kleiner Spieler in diesem Spiel und trotzdem halte ich es für wichtig, hier unterwegs zu sein. Die seltenen Erden sind für China ein strategisches Element der Wirtschaftsgestaltung. Es ist wichtig, dass der Rest der Welt versucht, dieses Quasimonopol zu brechen. Da ist viel in Bewegung, aber es braucht einfach Zeit von der Exploration einer Mine bis zum fertigen Metall. Fünf Jahre braucht man da leicht.

„Haltet eure Lager klein und senkt das Umlaufvermögen. Das funktioniert gerade nicht mehr. Die Liefersicherheit für die Kunden ist aktuell wichtiger als der Preis.“

Ist Transparenz im Beschaffungsmarkt damit absolute Chefsache?

Vielleicht ein bisschen zur Historie. Wir beziehen seit 1997 Magnete direkt aus China, sind aber erst 2014 dorthin gefahren, um mit dem Lieferanten vor Ort direkt Kontakt aufzunehmen. Da haben wir begonnen, uns die Lieferkette direkt anzuschauen. Wir haben in einem Projekt gemacht zusammen mit Partnern ein Procure- und Auditsystem für unsere Lieferanten entwickelt. Das hat die Universität von Nanjing gemacht; wir haben dann auch Zertifikate erstellt. Wir haben also unsere Lieferanten sehr genau angeschaut. Allerdings beziehen diese von den Raffinerien und die wiederum von den Minen – und das ist alles staatlich. Ich beschreibe das immer als eine Blackbox; das ist immer noch relativ intransparent.

Welche Rolle spielen da die sozialen und auch die Umweltstandards?

Man muss schon sagen, bei den Besuchen ist herausgekommen, dass die Unternehmen sehr gut unterwegs sind. Auch die Impulse, die wir hineingeben, werden wohlwollend angenommen und umgesetzt. Die Chinesen sind im Bereich Umwelt und Sozialstandards relativ gut unterwegs. Insofern haben wir da offene Türen eingetreten.

Zum Absatz: Wie haben sich denn die Auslandsmärkte für Sie entwickelt?

Wir haben relativ klein angefangen . Die Märkte waren anfangs, was unsere Systeme anbelangt nicht gut. Wir haben mit drei Kunden angefangen und dann hat sich das im Laufe der Jahre entsprechend entwickelt. Heute ist es so, dass wir 75 Prozent in Deutschland absetzen und 25 Prozent in Europa. Über Händlerkunden sind wir auch weltweit vertreten. Handel und Direktvertrieb sind so im Verhältnis 60 zu 40 und die Märkte, in denen wir in Europa unterwegs sind, sind hauptsächlich Frankreich, Schweiz, Österreich, Italien und Spanien. Zu unserer Vertriebsstruktur: Wir haben den Innendienst und wir haben drei technische Außendienstmitarbeiter, einer davon sitzt in Frankreich. Also eine relativ schmale Struktur.

Trotz aller Herausforderungen, die es im Moment gibt, wo sehen Sie Wachstumspotenzial?

Aktuell ist es so, dass wir in Österreich, in der Schweiz und in Italien versuchen, stärker zu wachsen. Da sehen wir relativ großes Potenzial. Der Aufwand im Betrieb steigt natürlich mit weiteren Sprachen, größeren Entfernungen und vielleicht anderer Mentalität. Bei den Branchen sehen wir vor allem mit der Windenergie einen Bereich, den wir mit unseren Magneten gut bedienen können.

„Den Umsatz, den wir jetzt generieren, ist mit Lieferungen gedeckt. Wenn diese ausbleiben, bleibt auch das Unternehmen aus.“

Wo in der Energieproduktion sitzen Magneten?

Bei den Windrädern werden die Kabel im Turm geführt und die Kabeltrassen mit Magneten gehalten, denn man sollte in diesen Stahltürme nichts bohren, schweißen ist auch nicht so geschickt und dann ist die Beleuchtung noch ein Thema. Das heißt, die Windanlagen mussten mit Beleuchtung versehen werden, damit sie für den Flugverkehr sichtbar sind. So sind wir auf die großen Hersteller zugegangen, entweder direkt oder über den Handel.

Wie macht sich bei Ihnen im Schwarzwald der Fachkräftemangel bemerkbar?

Der Mangel ist da. Wir spüren den, aber wir kommen in unserem Unternehmen einigermaßen zurecht. Wenn wir Stellenanzeigen veröffentlichen, bekommen wir Bewerbungen und finden in der Regel auch jemanden. Es ist aber ein wahnsinnig angespannter Markt, es war schon einfacher für uns. Wir haben viel gemacht in der Vergangenheit, um unsere Arbeitgeberattraktivität zu stärken. Hier gibt es einfach Themen, die wir bespielen, zum Beispiel Nachhaltigkeit und soziales Miteinander. Andrerseits halten wir Führungsthemen und die Wertschätzung und Weiterentwicklung gegenüber Mitarbeitern fast für wichtiger. Wie kann man Mitarbeitenden in die eigene Entwicklung bringen, so dass es was dem Unternehmen dient. Der Arbeitskräftemangel führt natürlich auch dazu, dass wir hier in der Region eine Lohn-Preis-Spirale bekommen, man kriegt die Leute ja nicht wirklich von außerhalb hier her. Hier müssten wir als Kommune und Region noch ein wenig attraktiver wirken.

„Bei den Umweltstandards werden Impulse von den Lieferanten angenommen. Wir haben da offene Türen eingetreten.“

 

Magnete für Verbraucher und die Industrie

Die Magnete, die die Mitarbeiter von Brugger Magnetsysteme verarbeiten und an Handel und Industrie weltweit liefern, stammen fast zu 100 Prozent aus China.

 

Deniz
15.12.2022
von Deniz
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