Industrie 4.0: Schweden setzt auf Zusammenarbeit

Partnerland Schweden: Ein Hub für Innovation und digitale Transformation

Text: Dr. Ralph-Georg Tischer, Geschäftsführer Deutsch-Schwedische Handelskammer

Selbstverständlich hat Schweden weit mehr zu bieten als Astrid-Lindgren-Literatur, Ikea-Möbel, Elche und hohe Lebensqualität. Wenn es um Wirtschaftswachstum geht, gehört Schweden erneut zu den am stärksten wachsenden Industrieländern und laut European Innovation Scoreboard 2018 ist es das innovativste EU-Mitgliedsland.

Ganz allgemein gelten die Schweden als „Early Adopters“, die offen für Neuerungen sind und die Digitalisierung in der Regel begrüßen. Digitalisierung und Automatisierung im Sinne von Industrie 4.0 stehen daher ganz oben auf der schwedischen Agenda. Mit ihrer Digitalisierungsstrategie steckte die Regierung 2017 das Ziel ab: Schweden soll weltweit Vorreiter bei der Nutzung von Möglichkeiten werden, die die Digitalisierung bietet. Gleichzeitig fokussieren Politik und Wirtschaft auch auf mehr Nachhaltigkeit.

In vielen Landesteilen treiben Branchencluster den Wandel hin zu Industrie 4.0 lokal, regional und landesweit voran. Mit neuen Kontakten, Inspiration und Kompetenzentwicklung arbeiten sie für effiziente Produktion und rentable Geschäfte.

Automation Region beispielsweise ist ein an der Hochschule Mälardalen angesiedelter branchenübergreifender Cluster, zu dem private Betriebe unterschiedlicher Größe, wissenschaftliche Einrichtungen und Vertreter des öffentlichen Sektors gehören. Die 120 Mitglieder vermarkten schwedische Automatisierungskompetenz und regen Innovationen an.

Der Cluster Robotdalen entwickelt neue Ideen im Bereich Robotik und setzt sie um. Im Mittelpunkt stehen dabei Innovationen für Industrie, Gesundheits- und Krankenpflege. Dabei bindet Robotdalen die Endnutzer während der gesamten Produktentwicklung ein.

Mit anerkannt gutem Geschäftssinn und einem hohen Bildungsniveau der circa zehn Millionen Einwohner Schwedens hat sich hierzulande eine dynamische Start-up-Szene gebildet, die sich häufig um die Nutzung von KI und Machine Learning dreht. Jedes fünfte europäische Start-up mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar kommt aktuell aus Schweden. Stockholm trägt daher den Ehrentitel
„Welthauptstadt der Unicorns“.

Aber das eigentliche Geheimnis des schwedischen Erfolgs dürfte in der Verbindung zwischen traditionell starken, exportorientierten Industrieunternehmen (Ericsson, Volvo, Electrolux usw.) und Start-ups, die mit ausgeprägtem Innovationsstreben zu immer mehr Neuerungen antreiben, bestehen.

In Göteborg beispielsweise bietet das Stena Industry Innovation Laboratory schnelle Kommunikationssysteme mit 5G, eine offene Roboterumgebung und eine Augmented-Reality-Montage auf dem Campus der technischen Universität Chalmers. In dem Labor, das zum Netzwerk von Testbeds der EU-Kommission gehört, können große etablierte Unternehmen und kleine Start-ups neue technische Möglichkeiten prüfen. Auch zukünftige Ingenieure werden dort ausgebildet.

Produktion2030 ist eine weitere schwedische Plattform für Industrie 4.0 mit innovativem Wissen, intensiver Zusammenarbeit und modernster Technologie. Ihr strategisches Innovationsprogramm wird mit Unterstützung der Innovationsbehörde Vinnova, der schwedischen Energieagentur und Formas, dem staatlichen Forschungsrat für nachhaltige
Entwicklung, betrieben.

Wie wichtig Messen beim Knüpfen und Pflegen von Geschäftsverbindungen sind, wissen Sie als Besucher und Aussteller der Hannover Messe aus eigener Erfahrung. Im Zusammenhang mit Industrie 4.0 ist die in Nordeuropa maßgebliche Fachmesse Elmia Subcontractor in Jönköping besonders interessant. Rund 1.000 Aussteller aus der Zulieferindustrie präsentieren dort ihre Produktentwicklungen und Angebote. 2019 findet Elmia Subcontractor von 12. bis 15. November statt. Auch eine eigene Initiative sei hier noch erwähnt: Gemeins-
am mit der Königlich Schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaften (IVA) haben wir als Deutsch-Schwedische Handelskammer 2017 das German Swedish Tech Forum ins Leben gerufen. Die Innovationsplattform wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Stefan Löfven eröffnet und spricht Wirtschaft und Wissenschaft an. Wir freuen uns über das überwältigende Echo in den
letzten beiden Jahren mit über 2.000 Teilnehmern bei mehr als 25 Veranstaltungen.

Hier auf der Hannover Messe ist die Deutsch-Schwedische Handelskammer sowohl im Rahmen des nationalen schwedischen Pavillons als auch im deutschen Handelskammernetzwerk vertreten. Kommen Sie gerne zu unserem Stand in Halle 27, wenn Sie Fragen zum schwedischen Markt haben! Außerdem organisieren wir eine Vielzahl von Events und Podien, Kunden- und Partnerveranstaltungen, zu denen wir Sie herzlich einladen möchten. Auf einer dieser Veranstaltungen (1.4., 15 Uhr, Industrie 4.0 Forum) diskutieren wir die schwedische Geschäftskultur als einen Faktor, der Innovation und Veränderung möglich macht. Einige von Schwedens Unternehmen mit dem höchsten Digitalisierungsgrad berichten dabei über ihre Erfahrungen rund um die „Digital Factory“.

Mit einem Scale-up-Programm, das wir hier auf der Messe vorstellen werden, wollen wir die Geschäftsbeziehungen mit Schweden zusätzlich langfristig fördern.

Was macht Schweden in Sachen Digitalisierung dabei so erfolgreich? Es sind die lange Ingenieurtradition, große, international erfolgreiche Unternehmen, eine dynamische Start-up-Szene, vergleichsweise hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung, eine große Offenheit gegenüber digitalen Neuerungen, wenig Angst vor Veränderungen und eine Kultur, die auch Fehler und Scheitern zulässt und sich im Dialog weiterentwickelt.

 

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