Michael Förtsch: “Rechnen mit Licht statt mit Strom”

Die TRUMPF-Ausgründung Q.ANT setzt auf photonische Chips als Eckpfeiler einer nachhaltigen KI-Infrastruktur

Rechenleistungen in großen KI-Rechenzentren um das 50fache beschleunigen – und dazu noch für eine bis zu 30-fache Energieeinsparung sorgen – mit photonischen Chips will das Stuttgarter Start-up Q.UANT das Limit vieler Höchstleistungsrechenzentren sprengen: In deren Server-Architekturen werden Stromverbrauch, Hitze und Platz zum Problem.

“Wir müssen die Art und Weise, wie wir das Computing im Kern angehen, neu denken.” beschreibt Gründer und CEO Dr. Michael Förtsch das Konzept von Q.ANT, das 2018 aus dem Laser-Champion TRUMPF SE+Co. KG ausgegründet wurde.Photonische Chips auf der Basis von Thin-Film Lithium Niobat (TFLN) sind für Förtsch ein Game-Changer: Sie ermöglichen ultraschnelle, rein optische Signalmanipulation. Weil dabei keine Wärme entsteht, sind auch keine komplexen Kühlungssysteme erforderlich. Das wirkt sich massiv auf die zu erwartenden Betriebskosten aus.

Wir müssen die Art und Weise, wie wir das Computing im Kern angehen, neu denken

Die photonischen Chips von Q.ANT sind zudem als ergänzende Standard-Co-Prozessoren für bereits laufende Hochleistungsrechner konzipiert. So können sie schnell zu Eckpfeilern der bereits existierenden KI-Infrastruktur werden. Weltweit erster Anwender ist das renommierte Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) bei München, eines der größten Supercomputing-Zentren Europas.

Seit Februar 2025 betreibt das Start-up eine Pilotlinie für die Fertigung photonischer Chips – zusammen mit dem Institut für Mikroelektronik Stuttgart (IMS Chips). Das Projekt zeigt zudem, wie vorhandene Halbleiter-Fertigungsstrecken industriell für die nächste Generation von Hochleistungs-Chips zu nutzen sind. Q.ANT hat insgesamt 14 Millionen Euro investiert und will jährlich bis zu 1.000 Wafer für Rechenzentren mit High-Performance-Computing produzieren.

Ein Beitrag Baden-Württembergs zur europäischen Technologie-Souveränität

Im Juli 2025 hat das junge Unternehmen nun weitere Investoren von seiner Technologie überzeugt und in einer Serie-A-Finanzierungsrunde den Betrag 62 Millionen Euro eingeworben. Mit von der Partie sind unter anderem Cherry Ventures, UVC Partners und auch die L-Bank. Natürlich ist auch TRUMPF von der Partie. Mit der Finanzierung will Q.ANT auch seine Geschäftsaktivitäten in die USA und Asien ausdehnen.

Baden-Württemberg sieht in Q.UANT einen Beitrag zur technologischen Souveränität der europäischen Chipproduktion. Das Bundesland hat darum auch das IMS-Pilotprojekt zur Fertigung photonischer Chips gefördert.

Der Beitrag erschien erstmals im deutsch-französischen Wirtschaftsmagazin “Acteurs du frnco-allemand”.

30.11.2025
von Editorial Team
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