Hongxin Yang: „Eine komplette Lieferkette möglichst schnell aufbauen”

Im Gespräch mit Hongxin Yang, CEO von SVOLT, über die Milliarden-Investition des chinesischen Unternehmens  in eine neue Batteriefabrik im Saarland

Wie kam es zu dieser größten Investition eines chinesischen Batterieherstellers in Europa?

Es gibt zwei Faktoren, die abzuwägen waren. Erstens sind aus makroökonomischer Sicht der chinesische und der europäische Markt die am schnellsten wachsenden Märkte für neue Energiefahrzeuge auf der Welt. Wegen Corona und Subventionen ist die europäische Wachstumsrate in diesem Jahr größer als die chinesische. Das Problem in Europa ist, dass die Nachfrage lokaler Automobilhersteller nach Batterien groß ist, es aber keine herausragenden Batterieproduzenten gibt. Die europäischen Automobilunternehmen unterstützen zwar auch lokale Firmen, die weder genügende Erfahrungen noch eine gutes Management der Lieferkette besitzen, wie es in China der Fall ist. So ist der europäische Batteriemarkt zwar sehr groß, aber es gibt keine passenden Lieferanten und keine passende Lieferkette in der Region.

Zweitens haben wir aus praktischen Gründen entschieden. Denn wir haben bereits einen Auftrag eines großen europäischen Autoherstellers und werden voraussichtlich ab 2022 mit der Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge beginnen. Gleichzeitig verhandeln wir mit anderen großen deutschen Autoherstellern, um Aufträge ab 2023 zu gewinnen. Dass wir bereits einen Auftrag haben, ist die Basis für unser Geschäft in Europa und den Bau einer eigenen Fabrik. Der Bau wird schrittweise umgesetzt. Als Erstes entsteht eine Fabrik für kleine Module und Batteriepacks, danach die Batteriefabrik. Zwei Milliarden Euro sind die Gesamtinvestitionen über 5 Jahre. Diese Summe ergibt sich nicht nur aus Eigenkapital, sondern auch aus Finanzierungen und Subventionen.

Die Nachfrage lokaler Automobilhersteller nach Batterien ist groß

Welche Faktoren haben dazu geführt, sich für den Standort Saarland zu entscheiden?

Es gibt viele Gründe. Erstens befindet sich unser erster Kunde in Frankreich. Das Saarland liegt an der Grenze Frankreichs und hat eine ähnliche Kultur. Vom Saarland aus kann sowohl Deutschland als auch Frankreich gut bedient werden. Saarland liegt im Zentrum von Europa. Zweitens ist die Automobilindustrie im Saarland relativ gut entwickelt und es gibt viele Automobilunternehmen und -werke wie ZF, Ford und weitere. Drittens nimmt die saarländische Landesregierung eine sehr positive Haltung zur Gründung der Fabrik ein und hat viel Unterstützung geleistet.

Was sind die wesentlichen Vorteile des Produkts von Svolt?

Svolt hat drei Vorteile. Erstens produziert Svolt eine quadratische mehrschichtige Batterie, während viele andere Unternehmen quadratische gewickelte Batterien produzieren. Mehrschichtige Batterien sind besser als gewickelte Batterien bei Sicherheit, Lebensdauer und in der Energiedichte. Die quadratische mehrschichtige Batterie ist unsere Innovation im Bereich der Leistungsbatterien.

Zweitens kann Svolt ab voraussichtlich Juni 2021 kobaltfreie Batterien mit sehr hoher Speicherkapazität produzieren. Svolt ist das erste Unternehmen, das ein Patent für einen wirklich kobaltfreien Akku hat. 80 Pozent des weltweiten Kobalts stammen aus der Demokratischen Republik Kongo. Die lokale Kobaltindustrie ist wegen der Kinderarbeit und der Sicherheit der Arbeitnehmer problematisch. Die beste Lösung sind kobaltfreie Akkus, die für internationale Kunden attraktiv sind.

Drittens ist Svolt das erste Unternehmen in der Automobilindustrie, dessen Fertigungssystem und Qualitätsmanagementsystem von einem OEM stammen. Viele andere Batterieunternehmen haben früher elektronische Geräte hergestellt. Das QM-System für elektronische Produkte ist ein anderes als in der Automobilindustrie, die sehr hohe Sicherheitsanforderungen hat. Svolt ist wirklich die erste Fabrik, die einen Automobilstandard erreicht.

Was sind die zentralen Unterschiede bei der Expansion auf dem europäischen Markt im Vergleich zu einer Expansion auf dem chinesischen Markt?

Das Kernproblem ist der Aufbau eines Teams von Talenten. Wir müssen zuerst ein wirklich internationales Team aufbauen, das Regulierungen und Kultur in Europa kennt. Unser Europa-Präsident ist ein Deutscher, der mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Automobilindustrie hat. Er war am Bau vieler Fabriken in Europa beteiligt und leitete das China-Geschäft. Deswegen kennt er die China und Europa sehr gut. Unsere CEO, CFO und andere Teammitglieder haben ebenfalls viel Erfahrung in internationalen Unternehmen.

Wir planen auch die Einrichtung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Europa

Welche strategischen Unternehmensziele hat Svolt auf dem europäischen Markt?

Wir hoffen, dass wir nicht nur mit einer Fabrik, sondern auch mit unserer technologischen Forschung und Entwicklung sowie unseren Dienstleistungen in den europäischen Markt eintreten werden. Wir möchten die Lokalisierung schaffen, Probleme in allen Aspekten für unsere Kunden lösen und den gemeinsamen Fortschritt mit der lokalen Industrie fördern. Durch lokale Unternehmen allein ist eine komplette Lieferkette schwer zu realisieren. Wenn chinesische Batterieunternehmen wie Svolt in den europäischen Markt eintreten, ist es für die lokale Wirtschaft ein großer Beitrag, eine komplette Lieferkette möglichst schnell aufzubauen sowie die Forschung und Entwicklung der Technologie und das System hochqualifizierter Fachkräfte zu fördern. Wir planen auch die Einrichtung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Europa, um Kunden zu bedienen und zum Fortschritt der Automobilindustrie beizutragen. Wir sind wettbewerbsfähig bei Technologie und Dienstleistungen. Wir planen, in Zukunft unsere Kapazität der Marktsituation anzupassen. Nach unserer Prognose wird die Nachfrage nach Batterien auf dem gesamten europäischen Markt bis 2025 300 GWh erreichen. Unsere geplante Kapazität liegt derzeit nur bei 24 GWh. Daher können wir die Kapazität schrittweise in der Zukunft erhöhen, wenn dies der Markt zulässt.

 

Hans Gäng
20.04.2021
von Hans Gäng