HANNAH LOUISE BROWN: „Automatisierung im Gewächshaus“

Automatisierungstechnik für die Landwirtschaft

Beim Konstanzer Start-up Organifarms hatte das Team um die Kommunikationschefin Hannah Louise Brown schon bei der Gründung die mögliche Expansion auf internationale Märkte fest im Blick.

Mit dem Roboter Berry trägt das Start-up Organifarms zu Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Erdbeerernte bei.

 

Wer ein Start-Up gründet, hat einen besonderen Antrieb. Wie ist der bei Organifarms?

Wir wollten auf jeden Fall damit einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Für uns alle war die Zukunft der Landwirtschaft ein Thema. Wie kann man die Ernährungsproduktion im Kontext des Klimawandels und der wachsenden Weltbevölkerung zukunftsfähig gestalten? Wir haben uns entschieden, Automatisierungstechnologie für den großen Bereich der Landwirtschaft zu entwickeln, um da eben einen Beitrag zu einer nachhaltigen und fairen Ernährungsproduktion zu leisten.

Was ist der genaue Nutzen eines Einsatzes von einem Ernteroboter?

In der Landwirtschaft besteht ein großer Personalmangel, vor allem bei arbeitsintensiven Aufgaben wie der Ernte. Berry kann eben dazu beitragen, diese Arbeitskräfte, die fehlen, zu ersetzen. Und er kann Sicherheit schaffen und die Qualität der Früchte konstant halten. Es müssen weniger Früchte weggeschmissen werden, weil er die Frucht bei der Ernte nicht berührt und keine Druckstellen oder andere Mängel verursacht.

Ist das also eine Technologie nur für hoch entwickelte Länder?

Nicht nur. Aber es ist erstmal schon so, dass diese Technologie etwas für hoch entwickelte Länder ist, aber auch für Länder, in denen jetzt schon große Personalengpässe herrschen oder wo die klimatischen Bedingungen für einen Anbau sehr schwierig sind. In der Weiterentwicklung unserer Technologie gibt es sehr wenige Limits, da lässt sich sehr viel machen.

„Für uns ist die Zukunft der Landwirtschaft ein Thema: Wie kann man die Ernährungsproduktion im Kontext des Klimawandels und der wachsenden Weltbevölkerung zukunftsfähig gestalten?“

Welche Früchte passen denn zu dieser Technologie?

Also zunächst erntet der Berry, unser erstes Produkt, nur Erdbeeren. Er kann aber in der Weiterentwicklung sehr gut Früchte ernten, die ähnlich kultiviert werden, wie beispielsweise Tomaten oder Paprika. Auf lange Sicht ist es auf jeden Fall möglich, die Technologie so weiterzuentwickeln, dass auch andere Obst- und Gemüsesorten geerntet werden können. Früchte, die hängen, passen sehr gut zu unserer aktuellen Technologie, aber in der Weiterentwicklung sind da sehr wenige Limits.

Wie ist denn das Team von Organifarms zusammengekommen?

Ganz am Anfang haben wir Gründer uns bei einem Hackathon kennengelernt. Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Regionen und Bereichen und das ist auch so ein bisschen der Spirit, den wir weitergetragen haben, als wir unser Team aufgebaut haben. Ländergrenzen waren für uns keine Begrenzung. Unsere Teammitglieder kommen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Wir haben Entwickler aus Mexiko oder Indien und sprechen im Team häufig Englisch, damit sich auch alle gut verständigen können. Wir wollen als Team weiter international wachsen und sehr unterschiedliche Erfahrungen und Hintergründe zusammenbringen.

Wie gestaltet Organifarms den Dialog mit internationalen Kunden?

Wir sind von Anfang an sehr stark in den Austausch mit potenziellen Kunden gegangen, direkt auch global – einfach, um den Markt einschätzen zu können. Wir wollten wissen, wie es in den unterschiedlichen Ländern aussieht und was die jeweiligen Herausforderungen sind. Da waren internationale Messen sehr wichtig, aber auch Workshops und Netzwerke. Wir sind auch Mitglied in der FarmTech-Society und Association for Verticle Farming, um uns eben mit der internationalen Community in unserem Bereich austauschen zu können.

„Wir wollen als Team weiter international wachsen und sehr unterschiedliche Erfahrungen und Hintergründe zusammenbringen.“

Und wie steht es hier am Bodensee mit den lokalen Kunden?

Lokale Kunden sind für uns natürlich sehr wichtig, vor allem in der frühen Phase konnten wir mit lokalen Kunden eine enge Beziehung aufbauen. Weil die Wege nicht weit sind, hatten wir sehr früh die Möglichkeit, Sachen auszuprobieren, wie beispielsweise bei einem Erzeuger auf der anderen Seeseite, bei dem wir unseren Roboter testen konnten. Auf der Reichenau tauschen wir uns auch mit den Landwirten über ihre Erwartungen und Herausforderungen der nächsten Jahre aus.

Was sind denn jetzt die wichtigsten Zielmärkte, in denen ihr schon aktiv seid?

Aktuell sind mit unserem ersten Produkt neben Deutschland die wichtigsten Zielmärkte die Niederlande, Großbritannien und Belgien. Gerade in den Niederlanden ist der Erdbeeranbau sehr weit verbreitet und eben auch schon technologisiert. Da sind wir eben frühzeitig auf die Versorger zugegangen und haben schon Beziehungen aufbauen können und auch immer Feedback einholen können. Ich glaube, das ist sehr wichtig, dass man nicht erst etwas entwickelt und dann spät auf die Kunden zugeht, sondern dass man tatsächlich in einem frühen Austausch ist, damit man die Erfahrung auch sammeln kann und nicht an den Kundenerwartungen vorbei entwickelt. Wenn wir uns längerfristig unsere Marktentwicklung anschauen, dann ist Nordamerika für uns auf jeden Fall auch ein sehr wichtiger Markt, genauso wie Japan, wo unsere Technologie auch sehr gut zu den Gegebenheiten passt.

Welche Rolle spielen Kooperationen für Organifarms?

Bei der Expansion, für den Service und die Wartung sind internationale Partner für uns sehr wichtig. Das heißt, wir wollen ein Netzwerk aufbauen mit regionalen Vertriebspartnern, aber auch mit regionalen Service- und Wartungsnetzwerken, die uns in den jeweiligen Zielregionen unterstützen und auch Partner werden. Wir haben tatsächlich schon internationale Kooperationen, – etwa eine Technologiepartnerschaft mit Metazet FormFlex, einem Unternehmen in den Niederlanden, von denen wir unsere autonome Plattform beziehen. Mit internationalen Partnern zusammen zu arbeiten wird in Zukunft vor allem für den Vertrieb, aber auch für Service und Wartung noch wichtiger.

„Austausch ist wichtig, damit man nicht an den Kundenerwartungen vorbei entwickelt.“

 

Ernteroboter Berry

Das internationale Entwicklerteam von Organifarms arbeitet an der Optimierung von Mechanik und digitaler Steuerung des smarten Erntehelfers. Für neue Einsatzgebiete gibt es keine Limits.

 

Deniz
15.12.2022
von Deniz
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