WÄHRUNGSMANAGEMENT IM MITTELSTÄNDISCHEN UNTERNEHMEN

EVI POPP UND PETER HOLZRICHTER

Risiko: Schwankungen können den Gewinn “kosten”

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen neigen in der unternehmerischen Praxis oft entweder zur Vernachlässigung oder zumindest zur einseitigen Risikobetrachtung, wobei speziell das Wechselkursrisiko im Vordergrund steht und Transfer-, Konvertierungs- und Wechselkurseventualrisiken außer Acht gelassen werden.

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen neigen in der unternehmerischen Praxis oft entweder zur Vernachlässigung oder zumindest zur einseitigen Risikobetrachtung, wobei speziell das Wechselkursrisiko im Vordergrund steht und Transfer-, Konvertierungs- und Wechselkurseventualrisiken außer Acht gelassen werden.

Je länger der zeitliche Abstand zwischen Vertrag und tatsächlicher Zahlung, desto höher sind die Währungsrisiken.

Je länger der Abstand zwischen Vertragsverhandlung und tatsächlichem Zahlungseingang/-ausgang ist, umso höher sind dementsprechend die Währungsrisiken. Zunehmend relevant wird dies gerade bei Preiskalkulationen, an die man sich vertraglich längerfristig bindet, wie z.B. bei Herausgaben von Katalogen mit Preisbindung.

Je länger der Abstand zwischen Vertragsverhandlung und tatsächlichem Zahlungseingang/-ausgang ist, umso höher sind dementsprechend die Währungsrisiken. Zunehmend relevant wird dies gerade bei Preiskalkulationen, an die man sich vertraglich längerfristig bindet, wie z.B. bei Herausgaben von Katalogen mit Preisbindung.

Die historische Volatilität (Schwankungsbreite) der HaupthandelsWährungspaars EUR/USD ist mit 8,04% höher als die durchschnittliche Umsatzrendite im deutschen Mittelstand mit 7,2%1. Dies zeigt, dass der Erfolg oder Misserfolg von in Fremdwährung fakturierten Geschäften wesentlich von einem funktionierenden Währungsmanagement abhängt.

Risikobegrenzung erfordert aktives Währungsmanagement

Für eine effiziente Steuerung ist eine sorgfältige Analyse der Währungsrisiken essentiell.

  • Hierzu sind Szenarioanalysen sehr hilfreich. Welche Auswirkungen hat ein schwankender Währungskurs auf das einzelne Geschäft? Wie hoch ist die Relevanz der Währungsrisiken für den Gesamt-Jahresabschluss? Wie wirken sich Währungskursschwankungen auf meine Kalkulation aus? Dies sind nur einige der wesentlichen Fragen, die beantwortet werden müssen, wenn Transaktionsrisiken im Unternehmen bestehen.
  • Nach Fertigstellung der Situationsanalyse und Erfassung der Währungsrisiken ist eine Währungs-Sicherungsstrategie zu erarbeiten. Durch den Einsatz von OTC-Derivaten können hier individuelle und flexible Sicherungsstrategien, angepasst an die Bedürfnisse des Unternehmens, gestaltet werden. Handelspartner von OTC-Derivaten sind in der Regel Banken – hier kann auch eine umfassende und lösungsorientierte Strategie gemeinsam mit dem Bankpartner erarbeitet werden.
  • Neben der grundsätzlichen Möglichkeit über Devisenkassageschäfte Währungen direkt zu tauschen, sind die am häufigsten eingesetzte Sicherungsmöglichkeit von Währungsrisiken sogenannte Devisentermingeschäfte. Hier wird ein Währungstausch unter Vereinbarung aller Variablen für die Zukunft fixiert, so dass Währungsrisiken ausgeschlossen werden können – quasi eine vertragliche Vereinbarung, um eine Währung gegen eine andere Währung zu einem vorher vereinbarten Termin und Kurs zu tauschen. Neben Devisenterminge- schäften gibt es als zweite Hauptgruppe der Währungsinstrumente Devisenoptionen, bei denen ein Worst-Case gegen Zahlung einer einmaligen Optionsprämie abgesichert wird. Der Käufer erwirbt das Recht, jedoch nicht die Pflicht, eine Währung zu einem bestimmten Wechselkurs an einem bestimmten Termin zu kaufen oder zu verkaufen – an positiven Währungsentwick- lungen kann das Unternehmen aber jedoch voll partizipieren.
  • Bei Bedarf kommen strukturierte Währungssicherungen zum Einsatz. Hier können spezielle Eigenschaften des Grundgeschäfts und die persönliche Einschätzung der Währungsentwicklung des Unternehmens effizient abgebildet werden. Es existieren eine ganze Reihe von unterschiedlichen Möglichkeiten, die individuell an den Bedürfnissen des Unternehmens ausgestaltet werden können. Beispielhaft kann hier eine Sicherung erfolgen, bei dem eine Devisenoption ohne Prämienzahlung abgeschlossen werden kann. Dafür ist der vereinbarte Sicherungskurs etwas schlechter als bei der vergleichbare Devisenterminkurs und die Partizipation an einer positiven Währungskursentwicklung erfolgt beispielsweise nur zu 50%.

In der Praxis stellt sich häufig heraus, dass das Währungsmanagement „aus dem Bauch“ entschieden wird und die Risiken offen gelassen werden. Diese Strategie kann aufgehen, wenn sich der Währungskurs glücklicherweise in die richtige Richtung bewegt. Allerdings ist dies eher dem Zufall überlassen. Eine negative Währungskursentwicklung kann andererseits sehr teuer für das Unternehmen werden – bis hin zu Liquiditätsschwierigkeiten. Eine Währungsposition sollte deshalb nur dann nicht abgesichert werden, wenn hierfür bewusst eine Entscheidung getroffen wurde.

Währungsmanagement „aus dem Bauch“ kann aufgehen, wenn sich der Währungskurs glücklicherweise in die richtige Richtung bewegt. Eine negative Entwicklung kann sehr teuer werden.

Bereits bei der Kalkulation des Angebotes bzw. der Kundenpreise ist es deshalb wichtig, die Absicherung der Währungskursentwicklung in die Kalkulation mit einzubeziehen und hier einen Budget-Währungskurs festzulegen. Passend zum Budget Währungskurs kann dann eine Währungskurssicherung erfolgen. Sollte das Währungskursrisiko (teilweise) bewusst offen gelassen werden, lässt sich anhand des Budget-Kurses die Auswirkung einer Währungskursveränderung controllen. Bilanziell können die Geschäfte zur Währungskursabsicherung und die hierfür bestehenden Grundgeschäfte zu einer Bewertungseinheit zusammengefasst werden. Dies hat den Effekt, dass die aktuelle Bewertung der Sicherungsgeschäfte nicht in die Bilanz/GuV einfließt, sondern nur nachrichtlich unter dem Bilanzstrich dargestellt werden. Ohne Bildung einer Bewertungseinheit greifen bei der Bilanzierung nach HGB das Realisatons- und das Imparitätsprinzip, was zu einer Drohverlust-Rückstellung im Jahresabschluss führen kann. Folglich ist es empfehlenswert nach Möglichkeit immer eine Bewertungseinheit zu bilden.

Fazit: Währungsrisiken lassen sich steuern

Bei einer Expansion ins Ausland, ob auf der Kunden- oder Lieferantenebene, können Währungskursrisiken entstehen. Diese können aufgrund der Volatilität an den Währungsmärkten signifikant sein und darüber entscheiden, ob ein Geschäft erfolgreich abgewickelt werden kann. Dies gilt es in einer Situationsanalyse zu bewerten und daraus eine Sicherungsstrategie zu definieren. Allerdings sollten mögliche Währungsrisiken nicht dazu führen, von attraktiven Geschäftsbeziehungen abzusehen. Denn Währungsrisiken lassen sich durch den Einsatz von OTC-Derivaten sehr gut steuern. Bietet ein Unternehmen seinem Vertragspartner im Ausland an, Zahlungen in seiner Währung zu vereinbaren. kann es hierdurch häufig zu einer stärkeren Verhandlungsposition führen und es lassen sich dadurch Preisvorteile generieren.

Evi Popp
S-International Baden-Württemberg-Nord, Geschäftsführerin
evi.popp@sibwn.de | Tel: +49 (0)71419743130

Peter Holzrichter
S-International Baden-Württemberg-Nord, Leiter Zins- und Währungsmanagement
peter.holzrichter@sibwn.de | Tel: +49 (0)71419743270