Chen Bao: „Wir sind bereit, diesen Weg weiterzugehen – immer weiter voraus”

In langen Jahren beim Daimler-Partner BAIC hat Chen Bao nicht nur “mehr als 30 mal Besuche in Stuttgart” absolviert – und dabei eine exzellente Kenntnis der deutschen Sprache, vor allem aber der Automobilindustrie erworben. Als CEO des Zulieferunternehmens BHAP hat er den Weltmarkt im Blick und sieht gute Chancen für deutsch-chinesische Zuliefererkooperationen.

Herr Chen Bao, wie war das Jahr 2020 für Ihr Unternehmen?

In einem Punkt ist auch dieses ungewöhnliche Jahr wie die früheren Jahre. Die OEMs schauen auf die Kosten und verhandeln hart. Ja, es war ein herausforderndes Jahr. Die anfänglichen harten und strengen Regelungen in China waren organisatorisch nicht einfach zu bewältigen. Aber der Restart ist durch diese Maßnahmen sehr viel schneller und besser gelungen. Wir hatten in der Logistik schon mit Problemen zu kämpfen, als viele Bauteile aus Spanien und Italien ausgefallen sind. Einfach hinfahren und mit den Partnern sprechen, das war nicht mehr möglich. Bei der Lieferung an die OEMs mussten wir gemeinsam mit unseren Unterlieferanten improvisieren. Zum Glück aber haben wir aufgrund der eingeleiteten Maßnahmen den Stückzahlen unserer Kunden sichergestellt.

Wie sind die Erwartungen für die nahe Zukunft?

Wir sind sehr froh, dass die OEMs wie auch Daimler hier in China sehr hohe Stückzahlen verkaufen können – für BAIC ist es eigentlich mit rund 600 000 Stück sogar ein Rekordjahr. Und so ist das eigentlich ein sehr gutes Jahr für die lokalen Zulieferer geworden. Mit dem Wachstum Chinas und den zahlreichen Fördermaßnahmen der Regierung wird auch 2021 eine positive Entwicklung nehmen. Interessant ist aber, dass das vor allem für den Premiumbereich gilt, für das Niedrigpreissegment sind die Verkäufe dramatisch gesunken. Daimler, BMW und Audi – diese drei Marken aus Deutschland wachsen dieses Jahr in China stark. Aber auch im Bereich der Nutzfahrzeuge sehen wir ein anhaltendes, sogar zweistelliges Wachstum.

Wie wichtig ist für BHAP die Transformation hin zur Elektromobilität?

China hat in diesem Bereich eine Pionierrolle, auch dank der staatlichen Förderung. Die Kernkomponenten für den EV wie die Elektromotoren, Batterie, Steuerungselemente – all das wurde in China schon sehr früh entwickelt und produziert. In unserem Unternehmen haben wir auch einen besonderen Fokus auf dem Leichtbau, ohne den nachhaltige Fahrzeuge nicht möglich sind. Hier haben wir auch die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern ausgebaut. Unsere Investition bei Trimet in Harzgerode ist sehr wichtig, damit wir die Fähigkeiten in China und Europa kombinieren und Projekte schneller umsetzen können.

Wie würden sie das Potenzial der Zusammenarbeit mit möglichen Partnern aus Deutschland beschreiben?

Wir haben rund 20 Kooperationen weltweit, in allen wichtigen Märkten von Asien über Europa bis nach Nordamerika. Man muss bei der Entwicklung die unterschiedlichen Interessen berücksichtigen und die lokalen Gegebenheiten in den Märkten sehen. Natürlich gibt es auch bei einzelnen Produkten Wettbewerb, aber man kann sich immer zusammensetzen und gemeinsame Lösungen entwickeln. Mit dieser Vorgehensweise waren wir in den letzten Jahren doch erfolgreich.

Wir chinesischen Zulieferer haben ein unglaubliches Wachstum hinter uns. All das war eine große Anstrengung.

“Follow the customer” – wohin führt dieser Weg der Globalisierung Ihr Unternehmen?

Ja, auch wir müssen unsere Kunden in die Märkte der Welt begleiten. Aber inzwischen ist der chinesische Automobilmarkt der größte Markt weltweit überhaupt. Wir, die chinesischen Zulieferer haben ein unglaubliches Wachstum hinter uns. Die Produktionskapazitäten so zu steigern, die modernsten Technologien der Fertigung einzuführen, die Qualität der Produkte so zu bringen, wie das die OEMs fordern – all das war eine große Anstrengung. Ohne die hohen Stückzahlen im chinesischen Markt hätten wir jetzt nicht die finanzielle Kraft, um jetzt in die internationalen Märkte gehen zu können.

Das bedeutet, dass Sie auch in der Zukunft noch einige Investitionen und Übernahmen in Deutschland planen?

Für einen großen Kunden weltweit alles aus einer Hand zu liefern, die Logistik zu managen, das verlangt, dass man mit seinen Teams vor Ort ist. Und zwar frühzeitig, bereits in der Entwicklungsphase. Das ist für viele kleine und mittlere Unternehmen finanziell nicht zu schaffen. Wir sind bereit, unseren Weg weiterzugehen und zu investieren.

Hans Gäng
20.04.2021
von Hans Gäng